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17.05.2005 - Artikel
Schweiz fordert Untersuchung der Ereignisse in Usbekistan

Die Überprüfung der Schweizer Zusammenarbeit mit Usbekistan wird einige Zeit in Anspruch nehmen, weil Gespräche mit lokalen, regionalen und internationalen Projektpartnern geführt werden müssen. DEZA und seco haben sich auf Kriterien geeinigt, welche die Entscheidfindung leiten sollen. Ungehinderten Zugang zur Krisenregion fordert die Schweiz für ihre lokalen Partnerorganisationen sowie die Medien.

Die Schweizer Behörden bedauern den Verlust vieler Menschenleben aufgrund der gegen eine unbewaffnete Menschenmenge gerichteten gewaltsamen Unterdrückung durch die usbekischen Sicherheitskräfte. Die Schweiz verurteilt die Anwendung von Gewalt gegen unbewaffnete Zivilisten, die Einschüchterungs- und Verhaftungswelle sowie die Unterdrückung der freien Meinungsäusserung. Die Schweizer Behörden insistieren auf der Einhaltung der auch von Usbekistan unterschriebenen, internationalen Menschenrechtsstandards.
Zur Klärung der Ereignisse, die zum Tod von hunderten von Zivilisten in Andischan und Umgebung geführt hat, unterstützt die Schweiz die Forderung der UNO nach Bildung einer unabhängigen Untersuchungskommission. Der Kommission, die mit der Wahrheitssuche beauftragt ist, sollen nebst usbekischen auch internationale Experten angehören. Freier Zugang soll auch den Vertretern der nationalen und internationalen Medien gewährt werden. Die Be-völkerung und die Weltöffentlichkeit hat ein Recht aus unabhängiger Quelle über die Ereignisse in Usbekistan informiert zu werden.

DEZA und seco überprüfen die Zusammenarbeit mit Usbekistan – eine Überprüfung, die jedoch Zeit in Anspruch nimmt, weil Absprachen mit lokalen, regionalen und internationalen Partnern getroffen werden müssen. DEZA und seco haben für die Entscheidungsfindung Schlüsselkriterien definiert. Weitergeführt werden sollen - sofern es die Sicherheitslage zulässt - jene Projekte, welche die Zivilgesellschaft, sozial und gesundheitlich benachteiligte Bevölkerungsgruppen sowie die Privatwirtschaft stärken oder die grenzüberschreitende Zusammenarbeit fördern. Damit soll verhindert werden, dass die Zivilbevölkerung für das ge-waltsame Vorgehen der Regierung zusätzlich bestraft wird. Besonderes Augenmerk gilt unter den gegebenen Umständen allfälligen Versuchen, vereinbarte Projektziele, organisatorische und institutionelle Reformen abzuschwächen und den Zugang und Austausch mit Projektpartnern und der Zielbevölkerung einzuschränken.

Bekanntlich führt die Schweiz bei der Weltbank eine Stimmrechtsgruppe an, der auch Usbekistan angehört. Dabei geht es nicht darum, die interne oder internationale Politik eines Mitgliedslandes der Stimmrechtsgruppe zu verteidigen, sondern dessen Interessen bei den internationalen Finanzinstitutionen zu vertreten. Diese Vertretungsrolle erlaubt der Schweiz einen sonst nicht möglichen Zugang zu Regierungsstellen und ermöglicht es politische Fra-gen zu Reformen, Demokratisierung und Menschenrechten zu stellen. Aber auch die Weltbank selbst führt seit Jahren einen intensiven Dialog über wirtschaftliche Rahmenbedingungen und strukturelle Reformen. Dessen Auswirkungen werden sich bei der bevorstehenden Diskussion der usbekischen Wohlfahrtsstrategie und der neuen Zusammenarbeitsstrategie der Bank weisen. Die Schweiz wird ein besonderes Augenmerk darauf richten.

Auch die Europäische Entwicklungsbank EBRD (European Bank for Reconstruction and Development) hat in den letzten Jahren bei der Kreditvergabe zunehmend auf die wirtschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen und die effektive Umsetzung der Reformen ge-achtet. Die Schweiz finanziert zahlreiche EBRD Projekte in Zentralasien mit. Sie unterstützt die EBRD weiterhin bei der Anwendung von strengen Kriterien bezüglich Reformwille und guter Regierungsführung.

Usbekistan gehört zu den wichtigeren Ländern der schweizerischen Entwicklungszusammenarbeit. Das Land spielt für die wirtschaftliche Entwicklung, die Stabilität und regionale Zusammenarbeit der zentralasiatischen Länder, nicht zuletzt im Ferganatal, dem geographisch auch Teile von Kirgisistan und Tadschikistan angehören, eine bedeutende Rolle. Angesichts der geringen Fortschritte in der Demokratisierung und der ungenügenden Bereitschaft für wirtschaftliche Reformen in Usbekistan wurde im Jahre 2003 entschieden, die Zusammenarbeit mit Usbekistan einer verstärkten Prüfung und Überwachung zu unterstellen, das Land auf die sogenannte “watch list” zu setzen und keine neuen Engagements im Infrastrukturbereich einzugehen.

Im Rahmen der regionalen Zusammenarbeit mit Zentralasien ist der Bund in Usbekistan mit einigen bilateralen und multilateralen Projekten (mit Weltbank und EBRD) engagiert. Die DEZA hat für Projektaktivitäten im 2005 rund 4 Mio CHF., das seco 2 Mio CHF. budgetiert. Ein erheblicher Teil der Aktivitäten konzentrieren sich auf das dicht besiedelte Ferganatal (Bezirke Fergana und Andischan). Inhaltliche Schwerpunkte sind Trinkwasserversorgung und Bewässerung, Entwicklung des Privatsektors, Modernisierung von Fernheizungen sowie der Ausbildungsbereich.

Annex: Projekte in Usbekistan

Im Auftrag der DEZA werden in Usbekistan gegenwärtig folgende Aktivitäten umgesetzt:

Im Wassersektor

  • Bilaterales Projekt Rural Water Supply and Sanitation. Unterstützung ländlicher Was-serversorgung im Ferganatal. Umgesetzt von der Organisation International Sectreta-riat for Water (2.6 Mio. SFr. für die Periode 2004-2006)
  • Regionales Projekt Integrated Water Resources Management Fergana. Förderung professioneller Wasserwirtschaft einschliesslich grenzüberschreitender Zusammenar-beit im Bewässerungswesen im Ferganatal. Umgesetzt vom International Water Ma-nagement Institute und lokalen Experten des zentralasiatischen Interstate Committe on Water Coordination (6.5 Mio. SFr. für die Periode 2002-2008, wovon ca. ein Drittel für Usbekistan)
  • Regionales Projekt Canal Automation Fergana. Unterstützung der Modernisierung von Bewässerungsanlagen im Ferganatal. Umgesetzt von lokalen Experten des zent-ralasiatischen Interstate Committe on Water Coordination (1.9 Mio. SFr. für die Perio-de 2004-2006, wovon ca. die Hälfte in Usbekistan)
  • Regionale Projekte Regional Center for Hydrology und Central Asia Water Information Base. Erfassung, Aufbereitung und Verbreitung hydrologischer und anderer für die Wasserwirtschaft relevanter Daten. Umgesetzt von verschieden internationalen und regionalen Partnern (Ausgaben pro Jahr insgesamt ca. SFr. 400'000, wovon ca. die Hälfte in Usbekistan).

Im Bereich Privatsektorförderung

  • Bilaterales Projekt Skills Development. Unterstützung des Berufsbildungssystems in ausgewählten Berufsschulen im Ferganatal. Umgesetzt von einer deutschen Fachor-ganisation (3.5 Mio. SFr. für den Zeitraum 2004-2007)

Im Bereich Gute Regierungsführung/Friedensentwicklung

  • Regionales Projekt Regional Dialogue and Development. Konfliktprävention und För-derung friedlicher Initiativen in den Grenzregionen des Ferganatals. Umgesetzt in Ei-genregie in Zusammenarbeit mit lokalen NGOs und der Politischen Direktion IV (ca. 3.5 Mio. SFr. für die Periode 2002-2005, wovon ca. ein Viertel in Usbekistan).
  • Bilaterales Programm Arts and Culture. Stärkung der einer weltoffenen Nationalidenti-tät durch Zusammenarbeit mit lokalen Kulturschaffenden. Umgesetzt in Eigenregie (Ausgaben ca. SFr. 180'000 pro Jahr).

Im Auftrag des seco werden in Usbekistan gegenwärtig folgende Aktivitäten umgesetzt:

Im Bereich der Basisinfrastruktur

  • Bilaterales Projekt Nukus Sewage System Rehabilitation. Sanierung des Abwasser-entsorgungsnetzes. Damit soll die Verschmutzung des Grund- und Trinkwassers durch Abwasser verhindert und neue Quartiere ans Entsorgungssystem angeschlos-sen werden. So können die Gesundheitsrisiken in der von der Aralseekatastrophe be-troffenen Region reduziert werden. (7.5 Mio. CHF für 1997-2005).
  • Multilaterales Projekt Buchara & Samarkand Water Supply (mit Weltbank). Verbesse-rung der Trinkwasserversorgung in beiden Städten im Rahmen einer öffentlich-privaten Partnerschaft. Ein privater Betreiber soll dabei die beiden Wasserversor-gungsgesellschaften unterstützen finanziell selbsttragend zu werden. (9 Mio. USD für 2002-2007)
  • Multilaterales Projekt Andijan District Heating (mit EBRD). Bau einer Fernwärmeanla-ge in der Stadt Andijan mit einem privaten Betreiber. (4.3 Mio. USD für 2002-2008)

Im Bereich der Privatsektorförderung

  • Multilaterales Projekt Uzbekistan Leasing Development (mit IFC). Technische Assis-tenz an die Privatwirtschaft und Regierung mit dem Ziel die Leasingbranche aufzu-bauen und damit ein attraktiveres Umfeld für private Investitionen zu schaffen. (0.45 USD CHF für 2001-2005)
  • Multilaterales Projekt Uzbekistan SME Survey (mit IFC). Technische Assistenz zur Analyse, Überwachung und Weiterentwicklung der KMU. (1.23 Mio. USD für 2001-2006)
  • Regionales multilaterales Projekt SEAF Central Asia Small Enterprise Fund (CASEF) (mit IFC und USAID). Private Equity Fund für SME in ganz Zentralasien. SME profitie-ren sowohl von Finanzmittel als auch von Technische Assistenz. (5 Mio. USD für 2002-2012)
  • Multilaterales EBRD Trade Facilitation Program (TFP). Garantie an kommerzielle Banken zur Absicherung von politischen und kommerziellen Risiken bei Export- und Importgeschäften (2 Mio. für CHF 2002-).