
Für hunderttausende Peruanerinnen und Peruaner bedeutet Gold nicht Reichtum, sondern den täglichen Kampf ums Überleben. Doch die in den abgelegenen Andendörfern im Kleinbergbau
tätigen Menschen erwarten mehr vom Leben.
Das wissen die rund 30'000 Familien, die in Peru 1999 mit einer Arbeit im Kleinbergbau ihr Auskommen finden, nur zu gut. Wenngleich sie alle zusammen etwa 15 Tonnen Gold im Wert von etwa 150 Mill.
USD jährlich produzieren, leben sie mit ihren Familien in extremer Armut: Die Strohhütte, gedeckt mit einer Plastikplane, bietet keinen Schutz vor der nächtlichen Kälte; Wasser zum Waschen gibt es
nicht, der 20 Liter Kanister muss noch für ein paar Tage reichen; Strom, Schulen, Ärzte kennen die Kinder nur aus den Erzählungen ihrer Eltern.
Das Arbeiten in den Minen ist hart. Das Gold ist nicht einfach zu finden und zu gewinnen. Ihr Wissen haben sich die Mineros in der Praxis angeeignet. Die Techniken unterscheiden sich nur wenig von
jenen der Kolonialzeit. Unfälle in den Minen geschehen häufig. Doch auch ausserhalb des Stollens lauert auf sie und ihre Familien Gefahr: Um das Gold aus dem Gestein zu lösen, verwenden sie giftiges
Quecksilber. Zudem: Die Minen gehören ihnen nicht und die Besitzer verlangen ihren Anteil; wer nicht zahlt, wird von der Polizei gefasst und wandert ins Gefängnis wegen unerlaubtem Besitz von
Dynamit. Der ungeregelte Status des gewerblichen Kleinbergbaus hat einen hohen Preis. Aber ein Gesetz, das es den Mineros ermöglicht, sich einen anerkannten Status zu verschaffen, existiert 1999
nicht.
Das Projekt GAMA
Im Jahr 2000 beginnt die DEZA in Zusammenarbeit mit dem peruanischen Bergbauministerium mit der Umsetzung des Projektes GAMA (Gestión Ambiental en la Minería Artesanal). Die zum Schutz der Umwelt
dringend notwendige Reduktion der Quecksilberemissionen kann nur erreicht werden, wenn es gelingt, den Kleinbergbau aus dem Teufelskreis ungeregelten Wirtschaftens zu befreien. GAMA startet seine
Tätigkeiten in zwei typischen Kleinbergbauregionen, dem wüstenartigen Bergland der südlichen Küste sowie dem Andenhochland von Puno.
Schaffung von Rahmenbedingungen
Auf Initiative von GAMA arbeitet das Bergbauministerium 2001 einen ersten Vorschlag für ein Kleinbergbaugesetz aus. Gleichzeitig wird ein Regionalverband der Kleinbergleute gegründet und bereits in
die Wege geleitete Gesetzesinitiativen werden von der Minero-Organisation AMASUC (Asociación de Mineros Artesanales de Sur Medio y Centro) aufgegriffen und auf breiter Konsensbasis bereinigt. In der
Folge verabschiedet das Parlament das Gesetz auf Drängen von AMASUC noch Ende 2001. Dieses neue Gesetz ermöglicht es den Kleinbergleuten erstmals, eigene Schürfrechte zu erwerben oder im Falle
bestehender Konzessionen rechtsgültige Abbauverträge zu schliessen.
Der geregelte Kleinbergbau in Peru Die Auswirkungen der neu geschaffenen Rahmenbedingungen für den gewerblichen Kleinbergbau übertreffen sämtliche Erwartungen. Die Möglichkeit
der Formalisierung führt in Kürze dazu, dass in nahezu sämtlichen Kleinbergbaudörfern lokale Kleinbergbauorganisationen ins Leben gerufen werden. Die Unterstützung dieser Organisationen durch
Ausbildung in technischer, organisatorischer und juristischer Hinsicht führt in einem zweiten Schritt zu zahlreichen Betriebsgründungen in Form von Aktiengesellschaften oder Kooperativen.
"Wer investiert schon in etwas, das einem nicht gehört? Das ist jetzt anders mit unserer eigenen Mine. Als MACDESA (Minera Aurífera Cuatro de Enero S.A.) haben wir bislang vier Bergbaukonzessionen
erhalten und vier weitere beantragt. Unser Betrieb hat etwa 500 Aktionäre. Mehr als 1000 Mineros arbeiten täglich in unserer Mine. Die Einnahmen teilen wir gerecht unter allen Arbeiterinnen und
Arbeitern auf. Ein Teil wird für Investitionen in die Mine und in das Dorf zurückgestellt“, erklärt Valerio Condori. Sein Dorf Cuatro Horas verfügt nun über eine Schule, Strom, eine Arztpraxis und
eine Apotheke. Eine Wasserleitung von einer 8 km entfernten Quelle ist im Bau und sogar Fernsehen gibt es. In Cuatro Horas herrschen strenge Sitten. Die BürgerInnen haben beschlossen in ihrem Ort
keinen Alkohol mehr auszuschenken. „All das haben wir selbst aufgebaut, vom Staat kam kein Centavo. Selbst die Löhne der Lehrer zahlen wir selbst. Auch viele Ex-Sträflinge, die sonst nirgends Arbeit
gefunden haben, sind bei uns eingestellt. Bei uns ist jeder willkommen, der bereit ist, hart und ehrlich zu arbeiten und ein neues Leben aufzubauen."
Cuatro Horas ist nur ein
Dorf von vielen. Etliche sind heute in verschiedenen Regionalorganisationen vertreten, die zusammen den nationalen Kleinbergbaudachverband CONAMA bilden. CONAMA hat mittlerweile aus eigener
Initiative und ohne externe Unterstützung weitere gesetzliche Verbesserungen des Kleinbergbausektors erreicht, u.a. spezifische und praxisnahe Regelungen für Umweltgenehmigungen der
Kleinbergbaubetriebe. Doch selbst ohne Umweltverträglichkeitsprüfung haben schon viele Dörfer die von GAMA entwickelten kommunalen Anlagen zur Rückgewinnung von Quecksilber installiert. Somit wird
eines der Hauptrisiken für Gesundheit und Umwelt vermindert.
Ein Blick in die Zukunft
Die im Kleinbergbau tätigen Menschen profitieren vom seit 1999 stark gestiegenen Goldpreis. So erstaunt es nicht, dass die Zahl der vom Kleinbergbau lebenden Familien bereits auf 50'000 geschätzt
wird, was etwa einer Viertel Million Menschen entspricht. Jüngste Statistiken besagen, dass in Peru etwa 60% der Wirtschaft dem informellen Sektor zuzuordnen ist. Diese Zahl soll bis Ende des
Jahrzehnts auf 70% ansteigen. Im Gegensatz dazu hält der Trend zur Formalisierung im Kleinbergbau weiter an, denn der Erfolg von Betrieben wie MACDESA ist für viele ein Vorbild. Wer noch nicht
Aktionär einer der Kleinbergbaufirmen ist, gründet zusammen mit ein paar Kumpeln eine neue Firma und nimmt seine Zukunft in die eigene Hand.
Zur Zeit spielt das Projekt GAMA noch eine bedeutende Rolle in der Beratung der Betriebe und bei der Ausbildung der Kleinbergleute. Das Schwergewicht liegt bei der Anwendung sicherer,
umweltfreundlicher und wirtschaftlicher Techniken, sowie bei betriebsorganisatorischen, sozialen und juristischen Aspekten. Es bestehen jedoch berechtigte Hoffnungen, dass die Kleinbergleute dank
moderner elektronischer Kommunikationsmittel bis zum Projektende 2008 direkten Zugang zu diesen Informationen haben werden.
|
 |
Das Projekt in Kürze
Bereich Regionale Zusammenarbeit
Land / Region
Peru: Südliche Küstenregion und Andenhochland in Puno
Partner
Regionalregierungen von Ica, Arequipa, Ayacucho und Puno, sowie Bergbauministerium
Ausgangslage/
Hintergrundinformationen Etwa 130 Millionen Menschen weltweit leben vom Kleinbergbau, die meisten davon unter der Armutsschwelle.
Hauptursache der meisten Probleme dieses bedeutenden Wirtschaftssektors ist die Rechtlosigkeit. Kleinbergbau hat wenig oder nichts mit herkömmlichem Bergbau zu tun. Kleinbergleute sind Männer und
Frauen von ländlichen Dorfgemeinschaften, die in der Gewinnung einfach vermarktbarer mineralischer Rohstoffe (in Peru: hauptsächlich Gold) eine Haupt- oder Zusatzeinkommensquelle gefunden
haben.
Ziel des Projektes Projektziel ist, die Sozial-, Umwelt- und Erwerbsssituation des Kleinbergleute zu verbessern und auf diese Weise zur nachhaltigen
Entwicklung in den peruanischen Kleinbergbaugebieten beizutragen.
Zielgruppe
Die Kleinbergleute profitieren von besseren und sichereren Arbeitsbedingungen; sie selbst und ihre Familien profitieren von besseren Lebensbedingungen sowie weniger Umweltproblemen und höherem
Einkommen.
Finanzieller Rahmen
Phase 1 und 2: 4,4 Mio CHF
Phase 3: 1.6 Mio CHF
Laufzeit
Phase 1 und 2: 2000 – 2005
Phase 3: 2006 – 2008
Gesamtlaufzeit: 9 Jahre
Kontakt
Proyecto GAMA
Los Halcones 277, San Isidro, Lima, Peru
Tel: 0051-1-4415616
Fax: 0051-1-4415620
Email: gama@gama-peru.org |