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Sintfluten vom Dach der Welt: Schutz dank angewandter Forschung



Der Klimawandel mit den steigenden Temperaturen lässt auch die Gletscher des Hindukusch-Himalaya schwinden. Das Schmelzwasser sammelt sich in immer grösseren Gletscherseen, die mitunter zu bersten und die darunter liegenden Gebiete zu überfluten drohen. Das International Centre for Integrated Mountain Development (ICIMOD) leistet in der Region wichtige Grundlagenarbeit, um das Phänomen besser zu verstehen und vorbeugende Massnahmen zu treffen.

Schmilzt ein Gletscher, kann sich bei der Endmoräne ein See bilden. Da dieser Moränendamm meist aus instabilem Schutt besteht, vermag er das Wasser nur notdürftig zurückzuhalten. Bricht der Damm - zum Beispiel in Folge eines Erdbebens oder starker Niederschläge - sind oft katastrophale Hochwasser talabwärts die Folge. Ein solches Ereignis geschah im Jahre 1998, als in Nepal eine riesige Flutwelle aus Wasser und Schlamm vom Tam Pokhari hinabdonnerte und Menschen unter sich begrub sowie Infrastruktur zerstörte.

Der Klimawandel lässt die Temperaturen allgemein weltweit rasch ansteigen. Im Gebiet des Hindukusch-Himalaya scheint die Erwärmung gemäss Untersuchungen von ICIMOD noch schneller als im globalen Durchschnitt voranzuschreiten. Das Risiko von verheerenden Gletschersee-Ausbrüchen – sogenannte ‚Glacial Lake Outburst Floods’  oder GLOFs – steigt damit erheblich. Hat es in der Region bisher nur alle 200 bis 300 Jahre Fluten mit grösserem Katastrophenpotential gegeben, dürften sie ICIMOD zufolge viel häufiger, eventuell gar mehrmals pro Dekade, vorkommen.

Seit 1999 arbeitet ICIMOD zusammen mit verschiedenen Partnern wie dem UN-Umweltprogramm (UN Environment Programme, UNEP) daran, diesen bedrohlichen Prozess besser zu verstehen. Dank dieser Grundlagenforschung entstanden für die Länder Nepal, Bhutan, Indien, Pakistan und China/Tibet ein Inventar von Gletschern und Gletscherseen sowie ein Monitoring-System von GLOFs. Die gewonnenen Daten dienen als Basis für Frühwarnsysteme. Daraus lassen sich Prioritäten für entsprechende vorbeugende Massnahmen ableiten. Die gesammelten Daten erlauben auch eine bessere Prognose der zu erwartenden Wasserabflüsse und der zur Verfügung stehenden Wasserressourcen in der Region.

Mittels Modellierung können zudem diejenigen Gebiete bestimmt werden, die schon in naher Zukunft von einer Flutwelle infolge eines Gletschersee-Ausbruchs betroffen werden könnten. Damit die Bevölkerung wirksam von der Grundlagenarbeit profitiert, sind jedoch weitere Massnahmen nötig. ICIMOD unterstützt deshalb die nationalen Behörden darin, die notwendigen Fachleute für diese Problematik auszubilden. Um den Druck zum Handeln weiter zu erhöhen, verbreitet ICIMOD die Forschungsresultate bei relevanten regionalen Organisationen und an entsprechenden Anlässen wie Tagungen, Konferenzen und Workshops. Diese Arbeit trägt bereits Früchte. So ist in Nepal mit dem Tsho Rolpa der grösste und wahrscheinlich gefährlichste Gletschersee mit Sensoren ausgestattet worden, die im Katastrophenfall stromabwärts Alarmsirenen aufheulen lassen. Noch bleibt vieles zu tun.

Die Schweiz unterstützt ICIMOD mit einem jährlichen allgemeinen Beitrag von CHF 1 Mio. und trägt damit zur Fortführung dieser Projektarbeiten bei.

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Das Projekt in Kürze

Bereich
Regionale Zusammenarbeit


Land/Region
Nepal, Bhutan, Indien, Pakistan, China/Tibet
Partner
Implementierende Organisation: International Centre for Integrated Mountain Development ICIMOD
Ausgangslage/kontextuelle Informationen
Der Klimawandel bewirkt einen Rückgang der Gletscher – die instabilen Gletscherseen steigen an. Es drohen Gletschersee-Ausbrüche, sogenannte Glacial Lake Outbursts GLOFs.
Projektziel
Zivilbevölkerung und Infrastruktur sollen vor den Gefahren der GLOFs geschützt werden. Mittel dazu sind die Erforschung des GLOF-Phänomens, die praktische Anwendung des Wissens sowie die fachliche Unterstützung nationaler Verwaltungen.
Zielpublikum
Millionen von Bewohnern der Berggebiete sowie der flussabwärts liegenden Regionen
Finanzieller Rahmen
Von 1999 bis 2007 Projektsumme insgesamt USD 400'000
Neue Projektphase ab 2008

Dauer
1999 – 2007
2008 – 2012

Kontakt
DEZA, Abteilung Südasien 

Weiterführende Informationen und Dokumente