|

Privater Raubbau an den Waldbeständen gefährdet die Existenzgrundlage der Landbevölkerung in Kirgisistan. Deshalb unterstützt die Schweiz seit 1995 ein Forstprogramm, welches die verbliebenen
Waldflächen erhalten und vergrössern soll. Die nachhaltige Nutzung des Waldes schützt das ökologische Gleichgewicht und schafft neue Einkommensquellen.
Der Bauer Nasirdin Beknazarov aus dem südkirgisischen Ortok ist begeistert: „Seit ich mit dem Forstprogramm zusammenarbeite, kann ich ohne weiteres für meine Familie aufkommen. Ich habe
einige Kühe hinzugekauft. Mit dem Geld, das wir mit dem Verkauf von Walnüssen verdienen, können wir Kleider und Schuhe kaufen.“
Raubbau gefährdet Existenzgrundlage
Bis vor kurzem hat Nasirdin Beknazarov wenig Grund zum Optimismus gehabt. Seit der Unabhängigkeit 1991 investiert der kirgisische Staat immer weniger Geld für den Schutz der einheimischen
Waldbestände. Für eine nachhaltige Bewirtschaftung des Waldes fehlt es nicht nur an den Mitteln, sondern auch an den rechtlichen Rahmenbedingungen. Private Unternehmen haben die Gesetzeslücken
genutzt und ungehemmten Raubbau am Wald getrieben. So gerieten auch die grössten Walnussbaumbestände der Welt, die sich im Süden Kirgistans befinden, in Gefahr.
Bessere Ökologie und Ökonomie dank gemeinsamer Waldnutzung
Um den Raubbau an der Natur zu stoppen und die wirtschaftliche Existenzgrundlage von über 200'000 Menschen langfristig zu sichern, finanziert die DEZA seit 1995 ein Forstprojekt, welches in der
gemeinschaftlichen Verwaltung der einheimischen Wälder neue Wege geht. Umgesetzt wird das bis 2010 laufende Projekt von der Schweizer Entwicklungsorganisation „Intercooperation“. Es beruht auf der
Idee, dass Bauern, Förster, Behörden, Gemeinden und Geschäftsleute gemeinsam über die Nutzung des Waldes bestimmen. Die verschiedenen Akteure müssen ihre Interessen abgleichen und gegenseitig in
Einklang bringen.
Das Projekt dient nicht nur der Erhaltung und Vermehrung des Waldes und der nachhaltigen Nutzung von Waldprodukten. Es unterstützt auch die Forschung und Ausbildung im Forstbereich. Im Weiteren trägt
es zur Schaffung neuer gesetzlicher Grundlagen bei. Alle Massnahmen zusammen ermöglichen eine geordnete Privatisierung des Forstsektors.
Mehr Eigeninitiative
Die beachtlichen Erfolge des Forstprogramms werden auch von Bakyt Kubatbekov, dem leitenden Förster der Stadt Uzgen, anerkannt: „Jetzt zeigen die Menschen viel Eigeninitiative. Sie wollen auf
Brachland neue Waldflächen mit hochproduktiven Sorten anpflanzen. Oder sie schlagen vor, überreife Bäume zu fällen und sie durch junge Walnussbäume zu ersetzen.“
Mit dem kirgisischen Forstprogramm leistet die Schweiz einen wichtigen Beitrag zur nachhaltigen Nutzung der einheimischen Forstbestände und zur langfristigen Sicherung der Lebensgrundlage für die
Menschen im Ferganatal. Um die Ergebnisse vor Ort zu verankern, werden die lokale Forstverwaltung und Agrarakademie direkt in die Programmentwicklung eingebunden. In der Abschlussphase des Projektes
soll die kirgisische Regierung darin unterstützt werden, den Reformprozess zu vollenden, die Waldbewirtschaftung zu modernisieren und die Berufsschulung weiter auszubauen.
|
 |
Das Projekt in Kürze
Bereich
Zusammenarbeit mit Osteuropa
Land/Region
Kirgisistan
Partner
Intercooperation; Kirgisisches Amt für Umweltschutz und Waldwirtschaft, staatliche und lokale Behörden, lokale Organisationen & Verbände, Unternehmungen
Ausgangslage/Umfeld Nur 4 Prozent der Fläche Kirgisistans besteht aus Wald. Der Schutz der Umwelt geniesst bei angespannten staatlichen Finanzen und einer im Aufbau befindlichen
Marktwirtschaft keine staatliche Priorität.
Projektziel
Verbesserung der Rahmenbedingungen zur Sicherstellung von Walderhaltung und -vermehrung sowie zur nachhaltigen Nutzung von Waldprodukten. Unterstützung beim Erarbeiten von gesetzlichen Grundlagen,
bei Inventur und Planung von Waldbeständen sowie bei der Reform der Staatsbetriebe.
Zielpublikum
Staatliche/Lokale Institutionen, Privatsektor, Lokalbevölkerung
Finanzieller Rahmen
Budget total: 17,6 Mio. CHF
Budget Phase 5: 2,1 Mio. CHF
Dauer
Laufzeit Projektdauer: 1995 - 2010
Dauer Phase V: 1.2008 - 12.2010
Kontakt
DEZA, Abteilung GUS
Kirgisisch-Schweizerisches Forstprogramm (KIRFOR)
Ennio Grisa
Programmbeauftragter
Karagachovaja Rostcha 15
c/o Forest and Walnut Research Institute
P.O. Box 2011
720000 Bischkek
+ 996 31 267 96 34
+ 996 31 267 90 57
E-mail: lesic@elcat.kg
www.intercooperation.kg |