|

Die Schweiz hilft sicherzustellen, dass das Polizeipersonal in Afghanistan korrekt und pünktlich bezahlt wird, um Korruption zu vermeiden. Ein weiterer Schwerpunkt ist ein Programm zur Förderung der
Gender-Gleichstellung in der Polizei, das unter anderem zum Ziel hat, die häusliche Gewalt im Land zu verringern.
Die Bemühungen zum Wiederaufbau der Polizei in Afghanistan erfolgen zu einem schwierigen Zeitpunkt, da die Gewalt in den vergangenen Monaten und Jahren ständig zugenommen und Tausende von Toten
gefordert hat. Im Rahmen der internationalen Bestrebungen zur Verbesserung der öffentlichen Ordnung beteiligt sich die Schweiz an der Reform des afghanischen Sicherheitssektors. Das Engagement
erfolgt unter dem Law and Order Trust Fund for Afghanistan (LOTFA), der im Mai 2002 von der UNO zusammen mit dem Finanzministerium Afghanistans als Projektträger und dem Innenministerium als
Durchführungseinheit ins Leben gerufen wurde. Dem UNO-Entwicklungsprogramm (UNDP) wurde die Verwaltung der entsprechenden Mittel übertragen.
Der Hauptzweck des LOFTA besteht darin, Afghanistan bei der Neubildung der nationalen Polizei finanziell und fachlich zu unterstützen. Priorität haben dabei: Die landesweite Bezahlung von Löhnen des
Polizeipersonals, Kauf von nicht-tödlichen Ausrüstungen, Wiederaufbau und die Entwicklung der erforderten Kapazität. Seit 2003 hat die Schweiz über CHF 4-5 Millionen zur Verfügung gestellt.
Elektronisches Lohnabrechnungssystem
Die Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) finanziertedie Einrichtung eines landesweiten elektronischen Lohnabrechnungssystems für die nationale Polizei von Afghanistan. Für die 2003 neu
aufgebaute Polizei von Afghanistan bedeutet diese Initiative einen grossen technologischen Sprung nach vorn. In der Vergangenheit bearbeitete das Innenministerium Lohnzahlungen und persönliche Daten
von Hand, was häufig zu Verspätungen in der Ausführung von Zahlungen für Angestellte in den Provinzen führte und einen Nährboden für Korruption bot.
Durch die Einrichtung eines international anerkannten elektronischen Lohnabrechnungssystems können heute die Finanztransaktionen für das Polizeipersonal und andere Aufwendungen nachverfolgt werden.
Die Datenbank liefert Angaben zum Personal sowie zu den Löhnen und den lohn- und nicht lohnbezogenen Ausgaben aller Polizeieinheiten in sämtlichen Provinzen. Damit ist der Einblick in alle Arten von
Aufwendungen gewährleistet, die von den Polizeikräften auf der Ebene der Provinzen und des Zentralstaats anfallen.
Neben der Korruptionsbekämpfung hat die Einführung des neuen Lohnsystems auch positive Auswirkungen auf die Gesamtarbeitskapazität und die Motivation des Polizeipersonals sowie auf die
Sicherheitslage im ganzen Land. Überdies dient es als zentrales Finanzmanagementtool für das gesamte Innenministerium, namentlich in den Abteilungen Finanzen, Logistik, Personal und Haushalt.
Häusliche Gewalt Ein weiterer Schwerpunkt der Schweizer Finanzhilfe an LOTFA betrifft die vermehrte Rekrutierung von Polizistinnen. Bis heute wurden über 1200
Frauen ins Polizeikorps aufgenommen. DEZA und UNDP finanzieren zusammen ein Projekt zur Förderung der Gleichberechtigung und -Gleichstellung in der nationalen Polizei von Afghanistan.
Frauen sind traditionell in der afghanischen Polizei stark untervertreten. Häusliche Gewalt gegen Frauen
ist weit verbreitet – und wird in den meisten Fällen nicht angezeigt und verurteilt. Bisher hatten weibliche Opfer kaum Möglichkeiten, eine Straftat zu melden, da es auf den Polizeiposten nur Männer
gab.
Die Schweiz leistet hier einen Beitrag zur Verbesserung der Situation durch die Rekrutierung von Polizistinnen, die Einführung von «Familieneinheiten» auf gewissen Polizeiposten und
Provinzhauptposten und die Durchführung von Schulungen über Geschlechteraspekte für das Polizeipersonal. Die Erfahrung zeigt, dass durch die Rekrutierung, Ausbildung und Einsetzung von Polizistinnen
die Gewalt gegen Frauen reduziert und ein Beitrag zur Sicherheit und zum Friedensprozess in Afghanistan geleistet werden kann.
Mit dem Schweizer Beitrag an den Law and Order Trust Fund (LOTFA) werden folgende Ziele angestrebt:
- Polizistinnen werden dazu ausgebildet und befugt, Polizeidienste in Gemeinden zu übernehmen.
- In der Polizei werden mehr Frauen in beruflich und sozial höhergestellten Funktionen eingesetzt.
- Professionalität, Wirksamkeit und Integrität der nationalen afghanischen Polizei werden verbessert.
- Entsprechende Schulungs- und Sensibilisierungsprogramme zum Thema Gleichstellung und Gewalt gegen Frauen werden auf das gesamte Polizeipersonal ausgedehnt.
- Im Innenministerium wurde eine Gleichstellungs-Einheit geschaffen, die sich mit Aspekten der Gleichberechtigung und -Gleichstellung auf allen Ebenen befasst.
Neben diesen Zielen trägt die DEZA zur Erweiterung von Familienanlaufstellen in Kabul und fünf Provinzen bei. Mit der Schaffung dieser Stellen auf den Polizeiposten haben die Frauen nicht nur eine
offizielle Kontaktstelle, bei denen sie der Polizei Fälle von häuslicher Gewalt melden können, sondern sie finden dort auch Zuflucht und Schutz.
|
 |
Das Projekt in Kürze
Bereich
Regionale Zusammenarbeit
Land Afghanistan, nationale Ebene
Partner Finanzministerium, Innenministerium (operative Partner), UNDP, UNAMA, nationale Polizei Afghanistans, andere Geber
Projektziel Durch die Einführung eines elektronischen Lohnabrechnungssystems für die nationale Polizei Afghanistans (ANP) und das Innenministerium (MoI) wird der Korruption
vorgebeugt und die Effizienz und Kapazität der Polizei erhöht. Mit der Rekrutierung von Polizistinnen, der Schaffung einer Gleichstellungs-Einheit im Innenministerium und dem Ausbau von Anlaufstellen
für Familien auf Polizeiposten wird Frauen der Zugang zu Einrichtungen der öffentlichen Sicherheit gewährleistet und die häusliche Gewalt gegen Frauen reduziert
Zielgruppe Polizei von Afghanistan, Innenministerium, Bevölkerung und insbesondere Frauen
Dauer Seit 2003
5. Phase: Okt. 2010 - März 2012
Finanzieller Rahmen Total 2003–2010: CHF 3’727’000
5. Phase: CHF 1'175'000
Kontakt DEZA
Abteilung Südasien
|