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Globale Ernährungssicherheit
Auswirkungen der Produktion von Biotreibstoffen auf das Bodenrecht und die Ernährungssicherheit

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Die Jatropha wird manchmal auch «grünes Gold» genannt wegen den Eigenschaften ihres Öls, das mit Diesel vergleichbar ist.

Mit dem jüngsten Boom der Produktion von Biotreibstoffen in Entwicklungsländern wachsen auch die Befürchtungen hinsichtlich der negative Auswirkungen dieses Trends: Biotreibstoffe können die lokale und die globale Ernährungssicherheit gefährden und sich nachteilig auf den Zugang der lokalen Bevölkerung zu Land auswirken. Ein Zertifizierungssystem für nachhaltige Biotreibstoffe kann dazu beitragen, die negativen Folgen einzudämmen und die positiven Folgen zu stärken. Die DEZA unterstützt den «Roundtable on Sustainable Biofuels» (RSB) bei der künftigen Entwicklung eines solchen Standards und bei der Ausarbeitung von Richtlinien in Bezug auf Ernährungssicherheit und Bodenrechtsfragen.

Aufgrund der weltweit steigenden Nachfrage nach Energie und der erwarteten Erdölengpässe nimmt das Interesse an Bioenergie zu. Die Produktion dieser Energieressource boomt, namentlich in den Entwicklungsländern.

Es gibt jedoch empirische Evidenz und Befürchtungen, dass diese Entwicklung sowohl für die ländliche Bevölkerung als auch für die Umwelt negative Folgen haben kann. Denn sie verstärkt den Wettbewerb um fruchtbares Land und Wasser und gefährdet die lokalen Grundeigentumsrechte und die Ernährungssicherheit in den betroffenen Gebieten. Positiv bewertet werden die verstärkte Investitionstätigkeit im Landwirtschaftssektor in Entwicklungsländern, die Verbesserung der ländlichen Energieversorgung und die Schaffung von Arbeitsplätzen. Folglich können die Nettoauswirkungen sowohl positiv als auch negativ sein. Ausschlaggebend sind die Produktions- und Verarbeitungssysteme.

Nachhaltigkeitsstandards
Aufgrund der aktuellen Diskussion haben Biotreibstoffproduzenten ein Interesse daran, sich an die vereinbarten Standards zu halten. Denn sie sollen die positiven Auswirkungen maximieren und die negativen Folgen minimieren sowie Handels- und Reputationsrisiken eindämmen. Nachhaltigkeitsstandards gibt es für viele landwirtschaftliche Erzeugnisse wie Zuckerrohr, Palmöl oder Sojabohnen. Die meisten dieser Standards enthalten jedoch keine Vorgaben bezüglich Ernährungssicherheit und Bodenrechte. Der Nachhaltigkeitsstandard für Biotreibstoffe räumt beiden Bereichen grosse Bedeutung bei.

Runder Tisch über Biotreibstoffe
Der «Roundtable on Sustainable Biofuels» (RSB) ist eine vom Energy Science Center der ETH Lausanne lancierte Initiative, an der verschiedene Akteure mitwirken. Der RSB bringt Bauern, Unternehmer, NGO und Regierungen, die sich mit der Produktion und der Verarbeitung von Biotreibstoffen befassen, an einen Tisch. Der RSB hat bereits ein Zertifizierungssystem für Drittparteien ausgearbeitet, das ökologische, soziale und wirtschaftliche Grundsätze und Kriterien berücksichtigt. Eine erste Reihe von Richtlinien wurde bereits herausgegeben. Sie soll den Herstellern zeigen, wie sie die Standards einhalten können. Die RSB-Prinzipien und -Kriterien fordern u.a. eine Evaluation der Auswirkungen auf die lokale Ernährungssicherheit, auf die Land- und Wasserrechte sowie auf die lokale Entwicklung. Diese Kriterien und Richtlinien müssen aber im Hinblick auf deren Umsetzung noch verfeinert werden. Sie sollen effiziente Instrumente für die Biotreibstoffhersteller darstellen und minimale Garantien bezüglich Nachhaltigkeit liefern.

Diese Richtlinienentwürfe wurden an sechs Orten auf drei Kontinenten in einem Pilotverfahren getestet. Die Ergebnisse dieser Pilottests erlauben eine Überarbeitung der Richtlinien, die voraussichtlich Mitte 2012 erscheinen sollen. Hersteller, die aufgrund dieser Richtlinien eine Zertifizierung beantragen, müssen aufzeigen, wie sie allfällige negative Auswirkungen auf die Ernährungssicherheit eindämmen können. In Regionen mit Nahrungsmitteldefiziten müssen sie zusätzliche Massnahmen treffen, die zur Verbesserung der Ernährungssicherheit der direkt betroffenen Bevölkerung beitragen. Was die Landrechte betrifft, müssen die Hersteller die formellen und informellen Landrechte beurteilen, dokumentieren und festlegen und beweisen, dass sie diese Rechte respektieren. Zudem dürfen sie keine Grundstücke bebauen, solange noch ein Rechtsstreit besteht. Dieser muss zuerst durch einen unabhängigen und vorherigen Konsens nach Inkenntnissetzung geregelt werden.

Der RSB setzt Massstäbe
Im Vergleich zu anderen Standards für landwirtschaftliche Erzeugnisse legt der RSB ziemlich genau fest, was eine Region mit Nahrungsmitteldefiziten ist oder was ein Rechtsstreit über Landrechte tatsächlich bedeutet. Eine Zertifizierung beruht also auf klar überprüfbaren Indikatoren, dadurch ist das Auditing weniger willkürlich und dafür sicherer. Es wird erwartet, dass die neuen RSB-Richtlinien einen Massstab setzen, wie man mit Ernährungssicherheit und Bodenrechtsfragen im Rahmen von Standards für landwirtschaftliche Erzeugnisse umgehen soll.

Das Projekt in Kürze

Bereich
Globale Zusammenarbeit
Thema
Landwirtschaft und ländliche Entwicklung
Land/Region
Global
Partner
ETH Lausanne
Roundtable on Sustainable Bioenergy (RSB)
Ausgangslage/ Hintergrundinformation
Bestehende Standards für landwirtschaftliche Erzeugnisse berücksichtigen Bodenrechts- und Ernährungssicherheitsfragen nicht genügend.
Projektziel
Stärkung der Ernährungssicherheit und der Bodenrechtsfragen beim RSB-Standard, indem konkrete Umsetzungsrichtlinien entwickelt werden. Dies ermöglicht einen einheitlichen Zertifizierungsprozess und liefert den Herstellern klare Richtlinien, wie sie die Standardanforderungen erfüllen können.
Zielgruppe
Direkt: Biotreibstoffproduzenten und -verarbeiter, die eine Zertifizierung wollen.
Indirekt: ländliche Gemeinschaften in Regionen, in denen Biotreibstoff produziert wird, politische Entscheidungsträger im Bereich Landwirtschaft und Energie
Budget
640'000
Dauer
15.2.2011 – 31.5.2012
Kontakt
gpfs@deza.admin.ch

Weiterführende Informationen und Dokumente