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"Im Namen der Giraffe!" - Radio Okapi auf Friedensfrequenz



Radio Okapi ist das einzige nationale Radio in der Demokratischen Republik Kongo – ein einzigartiger, innovativer Beitrag der Schweiz zur zivilen Friedensförderung.

In der Demokratischen Republik Kongo (DRK) wütet seit 1996 ein Krieg. Zwischen dem ersten Konflikt, der zum Sturz des Regimes von Mobutu Sese Seko geführt hatte, und der jüngsten Meuterei, die als Rebellion des M23 bezeichnet wird, nimmt der Zerfall des Landes in verschiedene Regionen, die de facto unter der Herrschaft verschiedener konkurrierender politischer und militärischer Gruppen stehen, immer noch zu. Eine Kommunikation zwischen diesen Regionen ist praktisch unmöglich. Die unaufhörlichen Kämpfe haben die Wirtschaft des schon bisher fragilen Landes zerstört, Millionen von Menschen den Tod gebracht und eine halbe Million Flüchtlinge und über zwei Millionen intern Vertriebene hinterlassen.

Die UNO-Mission MONUC (seit Juli 2010 MONUSCO) überwacht seit 1999 den Waffenstillstand. Parallel dazu führt der Interkongolesische Dialog (DIC) schrittweise zur Wiederherstellung des politischen Lebens, das in einen dauerhaften Frieden münden soll. In Pretoria wurde am 17. Dezember 2002 ein umfassendes Übereinkommen zur Bildung einer Übergangsregierung unterzeichnet, das alle Konfliktparteien miteinschliesst. 2006 wurden mit Erfolg Parlaments- und Präsidentschaftswahlen durchgeführt, und Anfang 2007 wurde in Kinshasa zum ersten Mal seit 1965 eine demokratisch gewählte Regierung eingesetzt.

Information als Schlüssel
In diesem Kontext waren Informationen für die kongolesische Bevölkerung von grösster Bedeutung. Während der Kriegszeit gab es keinerlei Zugang zu nationalen Informationen. Und nicht nur das: Alle Meldungen wurden streng kontrolliert und auf ein striktes Minimum beschränkt. Die wenigen Journalistinnen und Journalisten, die es noch wagten, offen über Ereignisse in ihrer Umgebung zu berichten, landeten häufig im Gefängnis. Die Bevölkerung hatte keine Ahnung mehr, wie es in anderen Regionen des Landes aussah, und häufig wusste man nicht einmal mehr, was in der eigenen Region vor sich ging.

Unter diesen Bedingungen drohte sich der Interkongolesische Dialog auf einige wenige Politiker zu beschränken. Radio Okapi war insofern ein revolutionäres Projekt, als sich die in- und ausserhalb des Landes wohnende Bevölkerung durch die gesendeten Informationen ein Bild von der Realität machen konnte.

Das Projekt Radio Okapi wurde als Partnerschaft der Vereinten Nationen und der in Lausanne ansässigen Stiftung Hirondelle ins Leben gerufen. Das UNO-Radio vermittelt als landesweiter Informationssender locker aufgemachte, gut recherchierte und unabhängige Beiträge von allgemeinem Interesse. Genau wie bei anderen nationalen Sendern, die grosse Gebiete abdecken, handelt es sich bei Radio Okapi nicht um einen Einzelsender, sondern um ein Radionetz. Seit 2005 wurden 28 Partnerradios aufgebaut, die Radio Okapi mit lokalen Informationen beliefern und über ein Netz von 32 Sendern die nationalen Programme bis in die entlegensten Gegenden des Landes ausstrahlen.  

Informationen, Reportagen und Kommentare werden ebenso wie die Programme selbst per Satellit übertragen. Radio Okapi ist mit moderner Informatik ausgerüstet: Aufnahme, Schnitt und Ausstrahlung erfolgen digital. Radio Okapi verfügt in dieser Hinsicht wohl über das grösste und leistungsfähigste Informatiksystem für Radio in Afrika, mit Ausnahme von Südafrika.

Programme in fünf Sprachen
Radio Okapi erfordert aber auch eine ausgeklügelte Organisation zur Bereitstellung und Übermittlung von Informationen in fünf Sprachen (vier Landessprachen und Französisch). Zehn Jahre nach der Gründung gehört Radio Okapi aufgrund seiner Professionalität und seiner Unabhängigkeit zu den wichtigsten Informationsmedien der Demokratischen Republik Kongo. Die letzten Hörerumfragen zeigen, dass Radio Okapi in Kinshasa und den grössten Städten des Kongo aufgrund seines Informationsangebots und seiner nationalen Abdeckung zum beliebtesten Sender aufgerückt ist. Es ist auch eines der seltenen kongolesischen Medien, die sich wirklich für Frieden, Demokratie, gute Regierungsführung und Entwicklung einsetzen.
Radio Okapi lässt Menschen aus allen gesellschaftlichen Schichten des Kongos zu Wort kommen, die teilweise in einer einfachen und berührenden Sprache ihre Meinung zur Lage des Landes äussern. Radio Okapi hat während den Wahlen eine sehr wichtige Rolle gespielt, da sich alle Parteien äussern konnten und nur überprüfte Informationen gesendet wurden, was das Klima beruhigte und eine Eskalation der Gewalt verhinderte. Der Sender hat damit zweifellos zum erfolgreichen Ausgang der Wahlen beigetragen. Die MONUSCO akzeptiert, dass sie manchmal in Frage gestellt wird, namentlich in der täglichen Fragestunde, in der die Verantwortlichen der MONUSCO Hörerfragen beantworten.

Radio Okapi geniesst in der kongolesischen Bevölkerung hohe Glaubwürdigkeit. Der Sender spricht alle Themen an, von denen die Kongolesinnen und Kongolesen in ihrem Alltag betroffen sind, darunter auch sehr heikle Fragen. Seit 2002 unterstützen die Humanitäre Hilfe der DEZA, die Abteilung Menschliche Sicherheit des EDA und der Bereich Regionale Zusammenarbeit der DEZA Radio Okapi mit rund einer Million Franken pro Jahr. Das Projekt ermöglicht ein neuartiges Zusammenspiel zwischen humanitären Aktivitäten und Friedenspolitik, zwischen bilateraler und multilateraler Zusammenarbeit, zwischen UNO und NGO.

Seit 2006 unterstützt die DEZA gezielt die Erarbeitung und Umsetzung eines Plans, der dafür sorgen soll, dass Radio Okapi auch nach dem Rückzug der MONUSCO bestehen bleibt. Dieses Thema trat ab 2007 in den Vordergrund, als sich immer deutlicher abzeichnete, dass die MONUSCO schrittweise abziehen wird.

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Das Projekt in Kürze

Bereich
Humanitäre Hilfe
Regionale Zusammenarbeit
Abteilung Menschliche Sicherheit EDA


Land / Region
Demokratische Republik Kongo

Partner
Stiftung Hirondelle

Projektziel
Informieren, ausbilden, unterhalten, zum Dialog für den Frieden und für ein Machtgleichgewicht in der kongolesischen Gesellschaft beitragen

Zielgruppe
Zivilbevölkerung, politische Institutionen in der Demokratischen Republik Kongo

Laufzeit
Ab 2002 mit dem Ziel, ein kongolesisches Radio zu schaffen, das auch nach dem Rückzug der MONUC (seit Juli 2010 MONUSCO) überlebensfähig ist

Finanzieller Rahmen
Beiträge der Schweiz (DEZA und Menschliche Sicherheit): seit 2002 rund CHF 1 Mio./Jahr

Kontakt
Stiftung Hirondelle (Media for Peace and Human Dignity) Lausanne
Tel.: +41 21 654 20 20
E-Mail: info@hirondelle.org

Abteilung Menschliche Sicherheit
E-Mail: pd-ams@eda.admin.ch

Sektion Ost- und Südafrika (Regionale Zusammenarbeit)
Sektion Afrika (Humanitäre Hilfe)
E-Mail: info@deza.admin.ch



Weiterführende Informationen und Dokumente